Alistair Cockburns Keynote “I come to bury Agile, not to praise it” als Video

Oktober 2nd, 2009

Alistair Cockburns keynote auf der Agile 2009 in Chciago steht als Video kostenlos zur Verfügung: http://www.infoq.com/presentations/cockburn-bury-not-praise-agile. Wer Cockburn noch nicht kennt, kann seinen kritischen und fundamentalen Blick auf Agilität kennenlernen, ebenso wie auch seinen Vortragsstil. Wer ihn kennt, kann sich über seine leicht adaptierte Rede des Marc Antonius aus der Beerdigungsszene von Shakespears “Julius Cäsar” freuen, aus der er auch den Titel des Vortrags entnommen hat. Diese Rede hält Marc Antonius in dem Schauspiel als Antwort auf Brutus’ Nachruf am Grabe Cäsars. Für alle, die sich näher dafür interessieren, habe ich unten das Original von Shakespear angehängt, das einiges zum Verständnis von Alistairs Text beiträgt.

Wer Cockburn selbst in relativ kleiner Runde erleben will, hat Ende November dazu in Deutschland Gelegenheit im Rahmen zweier dreitägiger CSM-Kurse. Noch sind Plätze frei.

I come to bury Caesar, not to praise him;
The evil that men do lives after them,
The good is oft interred with their bones,
So let it be with Caesar … The noble Brutus
Hath told you Caesar was ambitious:
If it were so, it was a grievous fault,
And grievously hath Caesar answered it …
Here, under leave of Brutus and the rest,
(For Brutus is an honourable man;
So are they all; all honourable men)
Come I to speak in Caesar’s funeral …
He was my friend, faithful and just to me:
But Brutus says he was ambitious;
And Brutus is an honourable man….
He hath brought many captives home to Rome,
Whose ransoms did the general coffers fill:
Did this in Caesar seem ambitious?
When that the poor have cried, Caesar hath wept:
Ambition should be made of sterner stuff:
Yet Brutus says he was ambitious;
And Brutus is an honourable man.
You all did see that on the Lupercal
I thrice presented him a kingly crown,
Which he did thrice refuse: was this ambition?
Yet Brutus says he was ambitious;
And, sure, he is an honourable man.
I speak not to disprove what Brutus spoke,
But here I am to speak what I do know.
You all did love him once, not without cause:
What cause withholds you then to mourn for him?
O judgement! thou art fled to brutish beasts,
And men have lost their reason…. Bear with me;
My heart is in the coffin there with Caesar,
And I must pause till it come back to me.
William Shakespear

Apple und die Macht einer Vision

September 22nd, 2009

Eine beeindruckendes Beispiel für die Kraft einer Vision hat Jared Spool auf der Agile 2009 vorgeführt: Einen Film von Apple unter dem schönen Titel “Knowledge Navigator“. In diesem Film von 1987 zeigt Apple eine Vision von der Anwendung von Computern im Jahr 2010.

Zur Erinnerung: Im Jahr 1987 war der “IBM AT” Stand der Technik, der immerhin mit einem 80286 und 20-30 MHz ausgestattet war und über MS-DOS bedient wurde. Apple hatte damals schon die Idee der Xerox-Labs aufgegriffen und nach dem Lisa-Flop den ersten Mac auf den Markt gebracht. Und es gab mit dem “Osborne” auch schon die ersten “tragbaren” Rechner, die aber eher geeignet waren, die Statik des Schreibtischs zu prüfen, als dass man sie im Zug oder Flugzeug hätte einsetzen können. Das Internet war zu diesem Zeitpunkt ein reines Uni-Netzwerk, das World-Wide-Web noch nicht mal bei Cern erfunden, die E-Mail begann gerade, auch in Deutschland anzukommen und wer “DFÜ” betreiben wollte, musste sich von Postbeamten versiegelte Modemleitungen in die Wand schrauben lassen, deren Monatsgebühr selbst die Rechnungen vom Finanzamt als erstrebenswerte Mitteilungen erschienen ließen; Übertragungsrate: 56kByte/sec.

In diesem Kontext also entwirft Apple die Vision eines Rechners, der zugleich (Bild-)Telefon ist, wie auch umfassende Wissensquelle zu allen Themen der Welt. Ein Computer, der sich so einfach bedienen lässt, wie ein Buch und ganz normaler Teil des Alltags ist. Und — noch beeindruckender — ein Computer, der frappierende Ähnlichkeiten mit dem iPhone hat! Natürlich haben sich die Apple-Leute in einigen Punkten geirrt: Spracheingabe ist heute nur unwesentlich weiter entwickelt, als vor 23 Jahren und “künstliche Intelligenz” interessiert heute (fast) nur noch Informatik-Historiker. Dafür übersteigen die Effekte von Web 2.0 und modernen Suchmaschinen offensichtlich auch die gewagtesten Phantasien.

Falls Sie jetzt sagen: “Na ja, Steve Jobbs halt” ist vielleicht noch das Detail interessant, dass Jobbs zu dieser Zeit nicht bei Apple war, sondern versucht hat, Next aufzubauen. Die Vision entstand unter Leitung von John Sculley

Für mich ist dieses Video der Beleg für die Macht einer kraftvollen Vision: Seit fast einem viertel Jahrhundert arbeitet Apple konsequent daran, diese Vision umzusetzen. Manchmal waren sie ihrer Zeit voraus, wie bei der Lisa oder beim Newton, manchmal haben sie mit der Vision einen scheinbar gesetzten Markt komplett aufgerollt, wie beim iPhone. Eine solche Vision zu finden und konsistent zu verfolgen, sei es für ein Projekt oder auch ein Unternehmen, ist der Kern vieler erstaunlich erfolgreicher Vorhaben. Mittelmäßige Produkte und Projekte mussten in der Regel ohne solche Visionen auskommen und sich statt dessen an kurzfristige Terminpläne und Budgets klammern. Auch Terminpläne und Budgets haben ihre Bedeutung. Wirklich glänzen können sie aber nur, wenn dahinter eine Vision steht — selbst wenn sie nicht so beeidruckend ist, wie die von Apple.

Pair Programming in der New York Times

September 21st, 2009

Auf einen schönen Beitrag in der New York Times zum Thema Pair Programming hat Deborrah Hartmann Preuss aufmerksam gemacht: “For Writing Software, a Buddy System“. Die im Artikel beschriebenen Erfahrungen kann ich nur bestätigen – bis auf die Tatsache, dass es einfach ein paar Kollegen gibt, die für Pair Programming ungeeignet sind (oder sich zumindest dafür halten). Ob man dann auf Pair Programming verzichtet oder für diese Kollegen andere Aufgaben sucht, muss man im Einzelfall entscheiden.

Neue XING-Gruppe zu Lean Software Development

September 10th, 2009

Gemeinsam mit Traian Kaiser, Ralf Wirdemann und Stefan Roock habe wir auf XING ein neues Forum zum Thema “Lean Software Management” gestartet. Lesen ist frei, wer mitdiskutieren möchte, muss sich bei XING und in der Gruppe anmelden.

Zur Erinngerung: Lean Software Development ist eine “Unterdisziplin” der agilen Verfahren, die versucht, die Lehren und Erkenntnisse aus Lean Management und Lean Development von der Autoindustrie – und da vor allem von Toyota – auf die Entwicklung von Software zu übertragen. Basis sind vor allem die Arbeiten von Mary und Tom Poppendieck und ihre Bücher Lean Development Software: An Agile Toolkit for Software Development Managers und Implementing Lean Software Development: From Concept to Cash. Das Ergebnis ist erstaunlich ähnlich zu anderen agilen Verfahren wie Scrum etc., konzentriert sich aber deutlich mehr auf Zusammenhänge und weniger auf die genaue Einhaltung von Praktiken.

Eine Kurzfassung findet man in einem zweiteiligen Artikel von Mary Poppendieck und mir:

CSM+Crystal Kurse mit Alistair Cockburn

September 9th, 2009

Wie ich bereits vor vier Wochen angekündigt hatte, biete ich gemeinsam mit dem Scrum-Center und andrena objects zwei dreitägige CSM-Kurse inklusive Einführung in Crystal mit Alistair Cockburn an. Die Kurse finden statt am:

Die Kursgebühr beträgt € 1800,00 zzgl. MWSt. Wer jemals einen Workshop mit Alistair erlebt hat, weiß dass sich die Investition lohnt.

Die Kurse finden in Englisch statt, Rückfragen können aber auch auf Deutsch gestellt werden.

Darüber hinaus gibt es auch noch die Möglichkeit von Inhouse-Workshops mit Alistair Cockburn und mir oder Alistair Cockburn alleine. Anfragen können Sie per E-Mail an mich senden.


Kursbeschreibung von Alistair

Alistair Cockburn
Certified Scrum Master and Introduction into the Crystal method family

This workshop is based on the award-winning book Agile Software Development: The Cooperative Game, on Crystal Clear: A Human-Powered Methodology for Small Teams, and on Agile Project Management with Scrum. The first part of the course gives the attendee a gut feeling for the is and isn’t of agile development; the second sets out Scrum and the role of the ScrumMaster; the third introduces Crystal with it’s 7 Properties of Highly Successful Projects.

Each part introduces its concepts with small lecture, followed by team activities to anchor them. The activities are constructed to give attendees a sense for how it feels to be doing some of the key practices as well as what how it feels not to do them. The techniques reviewed are valuable in carrying out any kind of project, not only agile ones.

  • Basic Agile
    • How to understand agile development in the larger context of real-world software development.
    • Cooperation, communication, incremental development and reflection as critical factors in project success.
  • Scrum
    • The heart of Scrum: collaborate & deliver; inspect & adapt.
    • The ScrumMaster role (including becoming a Certified ScrumMaster)
  • Crystal
    • How Crystal’s reflection adds to generic agile and generic Scrum.
    • Applying the 7 properties of highly successful projects

Course Goal for Attendees

  • Understand what is agile and what isn’t agile development
  • Have a gut feeling for teamwork, communication, frequent customer interaction and frequent delivery
  • Understand Scrum, the role of the ScrumMaster, and the Crystal methodology family as techniques in setting up and running projects
  • Have a few techniques to take home and use immediately
  • Walk away with a “Certified ScrumMaster” certificate

Instructor

Dr. Alistair Cockburn, author of the Jolt-award winning books, Agile Software Development: The Cooperative Game and Writing Effective Use Cases , coauthor of the Agile Manifesto and Project Management Declaration of Interdependence, and Certified Scrum Trainer.

Level: Beginner and Intermediate

Who Should Attend: Participants keep saying, “I wish my boss had come to this!”, so it is a good idea if people from every level and role attend.

Alistair Cockburn gibt CSM-Kurs in Deutschland im November

August 7th, 2009

In Zusammenarbeit mit dem Scrum-Center und andrena objects ist es uns möglich, voraussichtlich zwei dreitägige CSM-Kurse mit Alistair Cockburn in der zweiten Hälfte November anbieten zu können. In Planung ist derzeit ein Kurs in München und einer in Frankfurt. Bei mindestens einem davon werde ich assistieren.

Zudem gibt es ein kleines Zeitkontingent für Inhouse-Workshops entweder mit Alistair alleine oder Alistair und mir gemeinsam.

Alistair ist der Schöpfer der Crystal Methodenfamilie und einer der Autoren des agilen Manifests. Ich persönlich habe nicht nur einen großen Teil meines eigenen agilen Handwerks von ihm gelernt, sondern auch seinen interaktiven Stil in Workshops und Schulungen immer sehr genossen. Dies ist eine seltene Gelegenheit für alle, die Agilität von einem ihrer Schöpfer kennen lernen wollen und dabei auch noch ein Zertifikat als “Certified Scrum Master” erhalten wollen. Die Kurse werden in Englisch stattfinden, Alistair spricht aber gut genug Deutsch, um auch auf deutsch gestellte Fragen beantworten zu können.

Nähere Informationen zu den Schulungen werden wir im Laufe der nächsten Wochen veröffentlichen. Bei Interesse an Inhouse-Workshops wenden Sie sich bitte an mich.

Folien der Karlsruher Entwicklertage online

Juli 21st, 2009

Zu meinen Vorträge auf den Karlsruher Entwicklertagen stehen nun auch die Folien online zur Verfügung:

Danke an die andrena objects ag für das Bereitstellen der Unterlagen

Völliger Stillstand in Unternehmen

Juli 16th, 2009

Peter Kruse, Honorarprofessor für Organisationspsychologie in Bremen, hat 8 Regeln aufgestellt, um den völligen Stillstand in Unternehmen zu erreichen. 3 Minuten und 37 Sekunden sehr Amüsantes und Nachdenkliches zum Changemanagement: 8 Regeln für den totalen Stillstand

Der SPIEGEL zum Erfolg von Extreme Programming bei Microsoft

Juli 10th, 2009

Allen, die agile Entwicklung noch immer für eine Absurdität unprofessioneller Hobbyentwickler und Hippies halten, sei der Artikel “Windows aus der Asche” aus dem aktuellen SPIEGEL empfohlen, der auch auf SPIEGEL-Online verfügbar ist. Der Beitrag berichtet, wie Microsoft für die Entwicklung von Windows 7 konsequent auf Extreme Programming gesetzt hat (“Von nun an, so viel stand fest, sollte der Kunde treiben” und “in ganzen Abteilungen sitzen die teuren Programmierer nicht mehr allein, sondern paarweise vor den Monitoren”; “Beginne mit dem Machbaren, dann füge Stück für Stück hinzu. Und immer gleich gründlich testen!”) und welche Auswirkungen das hatte: “Plötzlich kommen der Reihe nach Produkte heraus, die den fast ungeteilten Beifall der Fachwelt finden”, und Brad Silverberg, Entwicklungsleiter von Windows 95, stellt fest: “Zum ersten Mal seit langer Zeit sind die Leute wirklich entzückt von neuen Microsoft-Produkten.” Auch Qualität und Terminplanung wurden beeinflusst: “Windows 7 [...] ist nun nach kaum zwei Jahren fast fertig. Und der Start wurde schon zweimal vorverlegt, zuletzt auf den 22. Oktober.”

Ich denke, damit dürfte die Brauchbarkeit agiler Verfahren auch für große und schwierige Projekte endgültig empirisch gezeigt sein. Anders formuliert, agile Entwicklung ist jetzt nicht mehr nur Sache der Pioniere, sondern wird nach und nach zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil — ein Vorteil, den vor Microsoft auch schon Google, Amazon und ebay genutzt haben.

Ich hoffe nur, dass die deutsche IT-Industrie hier nicht wieder durch “aktives Zuwarten” den Zug verpasst und weitere Arbeitsplätze gefährdet, sondern erkennt, dass es höchste Zeit wird, sich umfangreiches Know-How und Praxis angzueignen. Es ist schließlich wesentlich einfacher, die Organisation noch umzustellen, solange man das nach eigenem Zeitplan machen kann, als wenn man von der Konkurrenz vor sich her getrieben wird.

Kundennutzen in Agilen Projekten

Juli 3rd, 2009

Felix Rüssel hat vor einiger Zeit in seinem — übrigens insgesamt sehr lesenswerten — Blog einen älteren Beitrag von mir zum Kundennutzen unter dem Titel “Kundenzufriedenheit vs Kosten” in die Kritik genommen. Einer von Felix’ Kernsätze war: “Die agile Sichtweise schlägt [...] stark vereinfacht vor, Kundennutzen grundsätzlich zu maximieren. Dies darf jedoch nicht zu Lasten des Gesamtbudgets des Projektes gehen! Dieser Konflikt muss durch den ProductOwner bzw. den Projektleiter erkannt und zusammen mit dem Kunden gelöst werden”, und er beklagt sich: “Die Kundenzufriedenheit spielt [...] unbestritten eine zentrale Rolle, wird jedoch gerade in der agilen Welt zu oft als alleiniges Heilmittel angesehen. Es wird oft aus der Sicht des Ingenieurs argumentiert, der Prozesse und Arbeitsergebnisse optimieren möchte.”

Ich teile Felix’ Auffassung nicht, dass die alleinige Fokussierung auf die Kundenzufriedenheit nur aus einer technokratischen Sicht kommt. Ich denke, sie hat auch handfeste betriebswirtschaftliche Gründe, zumindest wenn der Kontext stimmt. Felix argumentiert in seinem Beitrag aus der Sicht eines Softwarehauses: “In den meisten Fällen arbeiten heute Teams in der Projektentwicklung weiterhin mit Werkverträgen, d.h. es wird ein definiertes Ergebnis zu einem bestimmten Termin geschuldet.” Das bedeutet aber eben nicht nur ein Werkvertrag, sondern auch eine neue, künstlich eingezogene betriebswirtschaftliche Ebene: Für den Auftragnehmer ist in dieser Situation nicht mehr der betriebswirtschaftliche Erfolg der Software relevant, sondern einzig der Erfolg des Projekts ihrer Erstellung, gemessen an Einhaltung von Umfang und Termin möglichst unterhalb des Budgets und zu einer Qualität, die mir nicht gerichtsfest um die Ohren geschlagen werden kann.

Je weiter ich als Projektleiter also kurzfristige Kosten und damit Qualität nach unten drücken kann, um so erfolgreicher bin ich betriebswirtschaftlich als Projekthaus. Allerdings werden dabei die Kosten nicht wirklich reduziert, sondern nur vom Auftragnehmer zum Auftraggeber verlagert: Der Auftragnehmer spart vor der Produktionssetzung Kosten ein, indem er weniger in Qualität investiert, der Auftraggeber muss ein Mehrfaches dieser Kosten hinterher aufbringen, um die Fehler zu beheben, mit den Fehlerfolgen umzugehen und das verkorkste Design weiter zu entwickeln. In der Rechtstheorie könnte er dafür zwar den Auftragnehmer in Mängelhaftung nehmen, in der Praxis ist das jedoch nicht nachzuweisen.

Rob Austin bezeichnet diese Konstellation in einem meiner Lieblingsbücher “Measuring and Managing Performance in Organizations” als “Measurement Distortion”: Wenn ein System (oder Vertrag) von vier Parametern bestimmt wird (Termin, Umfang, Kosten und Qualität) und ich kann nur drei von ihnen einigermaßen messen (Termin, Umfang und Kosten), so werden diese auf Kosten des schlecht messbaren vierten Parameters (Qualität) optimiert. Wie das im Projektalltag dann aussieht, beschreibt Felix sehr richtig und treffend.

Die Schlussfolgerung ist aber nicht, dass Agilisten “das Thema ‘Kosten’ gerne verdrängen” würden, sondern dass Werkverträge nicht geeignet sind, betriebswirtschaftlich sinnvoll ein Softwaresystem zu erstellen: Hier geht es ja nicht nur um Entwicklungskosten (die der Auftragnehmer eines Werkvertrages optimiert), sondern um die Gesamtkosten (“Total Cost of Ownership”) des Systems, zu denen unter anderem auch Betriebs-, Wartungs-, Weiterentwicklungs- und Stilllegungskosten gehören. Die Rechnung wird also am Ende der Lebenszeit der Software aufgemacht, nicht zu Produktionsstart. Um die Tatsache abzubilden, dass bei den Kosten auch der Zeitfaktor mitspielt, arbeiten Betriebswirtschaftler mit Abzinsungsmodellen, die ein guter Product Owner meines Erachtens kennen und soweit sinnvoll berücksichtigen sollte. Mike Cohn beschreibt solche Modelle sehr gut in seinem Buch “Agile Estimating and Planning“, Kapitel 10.

Die agile Sicht stellt also dem traditionellen Projekt “Software bis zur Produktionsreife entwickeln” eine Produktsicht gegenüber: Der Return-on-Investment über den gesamten Lebenszyklus muss optimiert werden. Ich habe diesen Gedanken 2005 einmal in dem Artikel “Projektdämmerung” weiter ausgeführt. Es geht also um eine globale Optimierung statt einer lokalen, bzw. um eine ganzheitlichere Sicht auch in der betriebswirtschaftlichen Steuerung. In Scrum ist genau das die Aufgabe des Product Owners.

Mit anderen Worten: Die Abkehr vom Werkvertrag ist für den Auftraggeber wichtig und sinnvoll. Die Auftragnehmer haben sich mit Werkverträgen arrangiert, vom meist agilen, kundenorientierten Softwarehaus, das sich bemüht, das Spannungsfeld für alle Seiten einigermäßen erträglich auszubalanzieren bis zum eiskalten Homo Ökonomicus im Großkonzern, für den nur noch Termine und Kostenminimierung zählen und die nicht vertraglich fixierten Interessen des Kunden keine Rolle mehr spielen. Der Auftraggeber liefert sich in beiden Fällen ohne Not dem Auftragnehmer aus, seine Interessen kommen dabei in der Regel unter die Räder.