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Archiv der Kategorie Politik
Vorratsdatenspeicherung: Noch vier Tage Zeit für Verfassungsbeschwerde
20.12.2007 von Jens Coldewey.
Am 24.12. (Datum des Poststempels!) läuft die Frist aus, um sich an der Verfassungsbeschwerde gegen die Vorratsdatenspeicherung zu beteiligen. Nach aktuellem Stand beteiligen sich bereits über 68.000 Personen. Nähere Informationen und die notwendigen Formulare gibt es unter http://www.vorratsdatenspeicherung.de (Siehe auch meinen Eintrag vom 27.11.2007)
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Epitaph auf die bayerische Wirtshauskultur
13.12.2007 von Jens Coldewey.
Nun ist er also besiegelt, der Untergang der bayerischen Wirtshauskultur: Gestern hat der bayerische Landtag mit 140 von 166 Stimmen ein weitgehendes Rauchverbot u.a. in bayerischen Wirtshäuser beschlossen (für Nicht-Bayern: Eine derartig große Mehrheit schafft auch hier die CSU nicht alleine). Der eigens von Gastwirten gegründete “Verein zur Erhaltung der bayerischen Wirtshauskultur” [sic!] hatte zuvor in einer Unterschriftenaktion der CSU schon mit der Höchststrafe gedroht, sollte das Gesetz verabschiedet werden: Der Entzug von Stimmen bei der nächsten Wahl. Die Abstimmung im Landtag lässt also doppelt Hoffnung aufkommen für den Freistaat.
Was die Wirtshauskultur angeht: Die wird offensichtlich nur von Rauchern getragen, welche sich nun scheinbar schmollend zurückziehen, so die Wirte, nie wieder unter die Menschen gehen und einsam auf ihrer Couch dem Ende Ihres Raucherlebens entgegenqualmen. Zwar bin ich als genetischer Nur-Achtel-Bayer nicht berufen, mich in diese Angelegenheiten einzumischen. Als Nichtraucher werde ich jedoch mit Freude in Zukunft auch in solche Lokale gehen, die ich bisher wegen der schlechten Luft gemieden habe; gerne auch in Begleitung meiner Freunde, die (noch) unter Nikotinsucht leiden.
Übrigens pflegen auch nicht-rauchende Achtel-Bayern, ihre Rechnungen zu bezahlen. Ich mag zwar keinen wesentlichen Beitrag zur bayerischen Wirtshauskultur leisten, aber wie sagten schon die alten Römer: Pecuniam non olet, nun auch nicht mal mehr nach Rauch.
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Über meine Signatur
29.11.2007 von Jens Coldewey.
Nachdem ich immer wieder auf das Michael Stipe Zitat in meiner E-Mail Signatur angesprochen werde (”I don’t believe and never did, that two wrongs make a right”), hier ein paar Hintergründe über das Zitat und warum ich es verwende: Die Zeile stammt aus dem Lied “The Final Straw” von der CD “Around the Sun” (2004). Der Song wurde wenige Tage nach dem Beginn des zweiten Golfkriegs von R.E.M. im eigenen Studio aufgenommen und sofort auf die Homepage gestellt - als Protest gegen den Krieg und gegen Bush. Den vollständigen Text findet man z.B. unter http://www.azlyrics.com/lyrics/rem/finalstraw.html.
Ich habe mich damals spontan entschieden, die Zeile in meine Signatur zu übernehmen. Neben dem Protest war mir wichtig, eine amerikanische Stimme sprechen zu lassen, stellvertretend für all meine Freunde und Kollegen in den USA, die ähnlich denken, wie Stipe. Und die wie die meisten Deutschen die Tage zählen, bis der Spuk vorbei ist.
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Daten sammeln und Daten verlieren
27.11.2007 von Jens Coldewey.
Gestern ging die Meldung durch die Zeitungen, den britischen Steuerbehörden seien wieder einmal sechs CDs mit persönlichen Daten von Steuerpflichtigen abhanden gekommen. Schon letzte Woche war gemeldet worden, dass zwei CDs mit den persönlichen Daten aller Kindergeldempfänger in Großbritannien verloren gegangen sind - inklusive Bankverbindungen und der Social Security Number, der in angelsächsischen Ländern allgegenwärtigen Identifikationsnummer. Betrüger und Kriminelle können mit diesen Daten weitreichenden Schaden anrichten, vermutlich bis hin zu unberechtigten Zugriffen auf die Konten der Betroffenen.
Bei der derzeitigen Datensammelwut der Behörden möchte man sich gar nicht ausmalen, wie solche Meldungen in Zukunft aussehen: “DVDs mit sämtlichen Surfdaten der Stadt verloren gegangen” - “Richter wegen Seitensprungs erpresst - gestohlene Handydaten wurden ihm zum Verhängnis” - “Ausländischer Geheimdienst erpresst Politiker nach Besuch auf schwulen Webseiten”.
Eine Grundregel des Datenschutzes besagt, sowenig Daten zu erfassen, wie möglich. Die aktuellen Pläne von Bundesregierung und EU Kommission sprechen dieser Regel Hohn. Die Rundumerfassung des elektronischen Kommunikationsverhaltens (Vorratsdatenspeicherung für 6 Monate), des Reiseverhaltens (Flugdatenerfassung von Reisen in und aus der EU für voraussichtlich 12 Jahre) und möglicherweise auch des Straßenverkehrs (elektronische Erfassung der Fahrzeugkennzeichen) gefährden unseren Rechtsstaat, unsere Demokratie und letztlich unsere Gesellschaftsordnung. Sie vollendet das, was weder die RAF noch islamistische Terroristen vermocht haben: Die Errungenschaften der letzten 60 Jahre zu zerstören. Daher schließe ich mich auch der Verfassungsbeschwerde des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung an.
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