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Jazz ist nun doch frei verfügbar

Dieser Eintrag stammt von Jens Coldewey Am 17.1.2008 @ 22:27 In Werkzeuge, Agilität | 5 Kommentare

[Hinweis: Ich habe diesen Eintrag nach einer Richtigstellung von Marko Schulz (s.u.) überarbeitet - 18.1.08]

Nun also doch: IBM hat am 14. Januar bekannt gegeben, dass Jazz ab sofort frei verfügbar ist. Damit steht das neueste “Baby” der beiden Eclipse-Väter Erich Gamma und Andre Weinand wie auch schon Eclipse zumindest zur Evaluierung kostenlos zur Verfügung: Man muss IBM noch mit der Preisgabe seiner E-Mail Adresse bezahlen ([1] http://www.jazz.net).

Selbst habe ich noch mit Jazz gespielt, geschweige denn es im Projekt eingesetzt. Dieser Bericht hier ist daher nur eine Zusammenfassung der White Papers und einer Vorführung auf der OOPSLA.

Was ist Jazz? Ähnlich wie Eclipse ist Jazz vor allem eine Plattform, also ein System, das zur Erweiterung mit Plug-Ins einlädt. Während Eclipse aber für den Arbeitsplatz eines einzelnen Entwicklers konzipiert ist, soll Jazz das ganze Team unterstützen. Es fordert damit also Micorsofts Team Foundation Server heraus.

Jazz besteht aus zwei Kernelementen und einer Reihe von Erweiterungen. Die Kernelemente sind:

  • Repository, eine Datenbank, in der alle Informationen des Projekts abgelegt werden können. Dazu zählen Aufgaben und Fehlermeldungen ebenso, wie Code. Bei Bedarf können die Daten versioniert oder revisionssicher historisiert werden
  • Prozessmodell, das den vom Team gewählten Prozess unterstützt. So kann dort z.B. festgelegt werden, welche Aktionen bestimmten Ereignissen folgen sollen: Auf das Einchecken neuen Codes kann zum Beispiel ein Build mit Tests gestartet werden, bei erfolgreichen Akzeptanztests können Emails an jene geschickt werden, deren Fehlermeldungen in diesem Build erstmals behoben wurden. All das ist frei modellierbar, das System sollte also von agilen Verfahren bis hin zum V-Modell oder RUP alle Varianten abbilden können

Neben diesen Basismodulen sind jetzt schon einige Erweiterungen verfügbar:

  • Aufgabenverwaltung, mit der Arbeitsaufträge, Fehlermeldungen und andere Aufgaben verwaltet werden können
  • Versionsverwaltung, um den Code zu verwalten (Source Code Management SCM). Neben dem Jazz SCM können wohl auch gängige Werkzeuge wie Subversion angekoppelt werden. Falls nicht, dürften die entsprechenden Plug-Ins nicht lange auf sich warten lassen
  • Buildsystem, um automatisierte Builds bis hin zu Continuous Integration nahtlos einzubinden
  • Anforderungsverwaltung zur Priorisierung und Verwaltung von Ideen und Anforderungen und zum Fehlermanagement
  • Reportkomponente zur Definition beliebiger Auswertungen aus dem Repository
  • Agiles Planungssystem zur Priorisierung und Schätzung von Aufgaben und Aufteilung in Iterationen

Hinzu kommen noch Teamkomponenten, wie Instant Messaging.

Alle Komponenten bestehen jeweils aus Server-Plug-In, Client-Plug-In für Eclipse und Web-Server-Plug-In für eine HTML-Oberfläche. Auf Serverseite verlangt Jazz Apache Tomcat oder IBM Web-Sphere , ist also recht genügsam und für alle gängigen Serverplattformen verwendbar. Als Datenbank wird Apache Derby oder DB/2 unterstützt.

Client-Plug-Ins für andere Entwicklungsumgebungen als Eclipse sind denkbar, zum Beispiel MS Visual Studio. Hier muss man abwarten, was die Jazz Gemeinde hervorbringt. Zumindest die Anbindung an Eclipse macht in den Vorführungen einen sehr guten Eindruck. Hier scheint sich eine der Regeln aus der Eclipse-Entwicklung zu bewähren: “Eat you own dogfood”, die Entwickler müssen ihre eigene Software zugleich auch als Pilotanwender nutzen.

Es bleibt abzuwarten, ob Jazz tatsächlich in der Lage ist, die Rolle bei Werkzeugen zur Teamunterstützung einzunehmen, die Eclipse bei Entwicklungsumgebungen hat. Das Duo Erich Gamma/Andre Weinand verspricht zumindest eine leistungsfähige und hoch-flexible Architektur, die offen ist für Erweiterungen und Veränderungen. Das ist ein möglicherweise entscheidender Vorteil gegenüber dem Team Foundation Server, der sich konzernfremden Erweiterungen gegenüber nicht immer freundlich verhält. Bewähren muss sich Jazz aber auch bei technischer Robustheit und Performance - Eclipse hat bekanntermaßen ein bis zwei Hauptreleases gebraucht, bis es vollständig einsetzbar war. Natürlich besteht die Hoffnung, dass Jazz wie Eclipse in einer sinnvollen und gut nutzbaren Fassung wie Eclipse auch für den kommerziellen Einsatz vollständig freigegeben wird. Und zu guter Letzt bleibt abzuwarten, ob bei Jazz der Balanceakt zwischen Flexibilität und Einarbeitungshürde gelungen ist.

Sobald ich erste Erfahrungen habe, werde ich sie hier posten. Wenn Sie Jazz bereits praktisch eingesetzt haben, bin ich für Kommentare dankbar.

PS: (Fast) alle Produkt- und Firmennamen sind registrierte Warenzeichen der jeweiligen Eigentümer. Nur falls Sie von Abmahnungen leben, oder sich das gefragt haben.


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[1] http://www.jazz.net: http://www.jazz.net

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