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“Damit sind nicht alle unter Dampf” - Übergang zu agiler Planung
Dieser Eintrag stammt von Jens Coldewey Am 29.11.2007 @ 20:54 In Management, Agilität | Keine Kommentare
“Die Planung ist ja ganz nett, aber einige hier sind jetzt überlastet und andere haben nichts zu tun.” Diese Aussage hört man mit Sicherheit irgendwann, wenn man ein Team auf agile Planung umstellt. Zur Erinnerung: Bei agiler Planung versucht man nicht, sämtliche “Ressourcen” voraus zu planen, sondern sammelt Arbeitspakete mit direktem Geschäftsnutzen (in der Regel in Form sogenannter Anwender Geschichten oder User Stories) und priorisiert sie vollständig. Die Pakete werden geschätzt und der Umfang abgeschöpft, der in dem Monat geleistet werden kann. So wird immer an den wichtigsten Aufgaben gearbeitet.
In der besten aller agilen Welten funktioniert das auch: Wenn das Team von Anfang an konsequent die Entscheidungen im Team getroffen hat und immer in Paaren gearbeitet hat, ist das Wissen über das System ungefähr gleich verteilt und jeder kann jede Aufgabe übernehmen. Wenn man allerdings ein bestehendes Vorhaben (oder Produkt) auf Agilität umstellt oder die Entstehung von Kopfmonopolen toleriert hat, wird man die daraus entstehenden Probleme spätestens bei der Planung bemerken.
Zunächst möchte ich betonen, dass dies kein Problem der Planung ist, sondern Symptom für ein anderes Problem: Wenn man einmal voraussetzt, dass die Prioritäten richtig gesetzt sind, ist das Grundproblem hier die mangelnde Flexibilität im Team. Oft haben sich Kopfmonopole gebildet, die von den einzelnen Entwicklern nur ungern verlassen werden - Schließlich sichert einem das Kopfmonopol Bedeutung und Anerkennung. Es kann aber auch inhaltliche Gründe geben, solche Kopfmonopole zu erzeugen. Zum Beispiel kann es aus Sicherheitsgründen sinnvoll sein, wenn nur wenige Entwickler über bestimmte Kernkonzepte informiert sind. Und auch im Kundenkontakt sind viele Kunden (mich eingeschlossen!) dankbar, wenn sie feste Ansprechpartner haben und nicht wie im Call-Center von Pontius zu Pilatus weiter gereicht werden. Aber abgesehen von solchen Spezialfällen sind Kopfmonopole ineffizient und sollten abgebaut werden.
Warum? Die Standardbegründung, der Entwickler könnte ja das Unternehmen verlassen, ist zwar korrekt, aber eher unwahrscheinlich (sonst hat man noch ein ganz anderes Problem mit der Attraktivität des Arbeitsplatzes). Interessanter ist die Aussage, die zur Planung gemacht wurde. In der Planung sind schließlich die wichtigsten Aufgaben aufgeführt und auch genügend, um das Team rechnerisch unter Dampf zu bringen (ich persönlich empfehle normalerweise sogar, noch mal die gleiche Menge an “Nachrückern” in die Planung aufzunehmen, um gegen Fehlschätzungen gewappnet zu sein). Also an Arbeitsmangel kann es nicht liegen. Wenn dadurch nicht alle ausgelastet sind, bedeutet das, dass zu wenige Personen da sind, die sich auf die wichtigen Dinge konzentrieren können. Mit anderen Worten, es wird eher an unwichtigen Dingen gearbeitet, ein wenig effizienter Ansatz. Es ist zwar richtig, dass bei jeder Planung kritische Pfade entstehen, aber wenn Teile des Teams einen Monat lang gar nichts zu tun haben, nimmt die Verschwendung überhand.
Bevor jetzt die Controller die Personalliste zücken und einfach die “überflüssigen” Stellen streichen in dem Glauben, sie könnten dort Geld sparen, gibt es noch ein paar andere Strategien, um das Planungssymptom taktisch zu lindern und zugleich das Grundproblem strategisch anzugehen:
Der letzte Vorschlag ist schon nicht mehr so recht Ernst gemeint. Er dient nur dazu, sich kurzzeitig zu betäuben.
Dieses Problem ist ein weiteres Beispiel dafür, dass agile Entwicklung oft tiefere strukturelle Probleme aufdeckt, die gerade bei ihrer Einführung oft für Probleme der agilen Entwicklung gehalten werden. Man sollte aber nicht vergessen, dass dabei nur der Bote der schlechten Nachricht geköpft wird, nicht die schlechte Nachricht selbst vermieden wird.
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